Kartoffelanbau ohne Reglone – was sind die Alternativen?

Die Abtötung des Kartoffelkrautes ist eine der zentralen Arbeiten im Saisonverlauf von Kartoffelerzeugern. Zum 19.04.2019 verlor das wichtigste Mittel zur Krautabtötung, Reglone (Wirkstoff Diquat) die Zulassung. Das stellt den Kartoffelanbau vor neue Herausforderungen. Was du jetzt tun kannst, erfährst du hier.


Warum Krautabtöten?


Wegen der besseren Haltbarkeit bei höherem Ertrag werden die meisten Kartoffeln nach dem Krautsterben gerodet. Kurz vor der Ernte wird dazu klassischerweise ein Herbizid ausgebracht. Der Kartoffelpflanze soll so ein künstlicher Herbst simuliert werden, um das Absterben der Pflanze einzuleiten. Das erleichtert zum einen die Ernte – denn das Kartoffelkraut behindert den Gutfluss im Kartoffelroder, zum anderen bildet die Kartoffelpflanze beim Absterben eine feste Schale, was die Knollenqualität sichert und für eine gute Lagerfähigkeit sorgt.


Wie wirkt Reglone?


Das Mittel Reglone (Wirkstoff Diquat) war bereits in der DDR ein gängiges Mittel. Es wurde zur Unkrautvernichtung, Bekämpfung von Wasserpflanzen, Regulierung des Kartoffelkrautes sowie der Sikkation von Vermehrungskulturen zur Samengewinnung eingesetzt. Nach dem Ausbringen stört der Wirkstoff den Elektronentransport in der Pflanze und blockiert so die Photosynthesefunktion – die Pflanze stirbt sicher ab. Wegen der relativ sicheren Wirkweise ist das Mittel Reglone für die meisten Betriebe nicht wegzudenken. Zum 04. Mai 2019 allerdings widerruft das Bundesamt für Verbraucherschutz alle Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff Diquat. Grund dafür war die Durchführungsverordnung (EU) 2018/1532 zur Nichterneuerung der Zulassung für den Wirkstoff Diquat gemäß der Verordnung (EG) Nr. 1107/2009. Für Lagerbestände galt eine Aufbrauchfrist bis zum 04. Februar 2020.


Was sind die Alternativen?


Der Wegfall des Wirkstoffes Diquat stellt viele Anbauer vor Herausforderungen. Alternativen sind wenig erprobt und in der Wirkweise weniger effizient. Im Jahr 2020 haben sich folgende Alternativen herauskristallisiert:

- Mittel Shark: Kontaktmittel, Stören der Photosynthesefunktion

- Mittel Quickdown: Kontaktmittel, Zerstören der Zellmembran, führt zu Nekrosen

- Mittel Beloukha: Pelargonsäure, Zerstörung der Cuticula, Zellen trocknen schließlich aus.

- Abflammen: Gerinnung der Eiweißstrukturen innerhalb der Pflanze

- Krautschlagen: mechanische Zerstörung der Pflanzenteile


Dabei ist zu bedenken, dass die aufgezeigten chemischen Alternativen nicht so sicher und effektiv wirken, wie das Mittel Reglone. Bei den mechanischen bzw. thermischen Alternativen ist mit teureren Verfahrenskosten zu rechnen. Beim Krautschlagen sorgen die geringe Arbeitsbreite sowie die erforderliche Drehzahl an der Zapfwelle für einen hohen Dieselverbrauch pro Hektar. Die thermische Regulierung mittels Abflammen weist ebenfalls eine geringere Arbeitsbreite im Gegensatz zum chemischen Verfahren und der Ausbringung mittels Pflanzenschutzspritze auf. Zudem ist das benötigte Gas zum Abflammen ein wichtiger Kostenfaktor, der kalkuliert werden muss.


Auch wenn den meisten Praktikern die Alternativen zum Einsatz von Reglone eher als Kompromiss erscheinen, konnten 2019 und 2020 vielerorts akzeptable Ergebnisse mit der Kombination aus einem Durchgang mit dem Krautschläger sowie einer nachfolgenden Behandlung mit Quickdown erzielt werden. Dabei ist allerdings auf die richtige Witterung zu achten. Praktiker sehen im Krautschlagen außerdem viele Risiken. Eine davon ist das Abschwämmen der Kartoffeldämme bei Starkregenereignissen. Nach dem Krautschlagen sind die Erddämme nicht mehr von der schützenden Krautmatte umgeben. Dadurch können die Dämme bei Starkregen abschwämmen. Zusätzlich ist ein Einsatz des Krautschlägers in Pflanzkartoffeln nicht möglich. Krankheiten können über das Gerät verbreitet werden – es bleib also spannend, welche Alternative zur Sikkation im Kartoffelanbau in Zukunft Bestand haben wird.



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